Frankfurt-Słubicer
Kooperationszentrum
Holzmarkt 7
15230 Frankfurt (Oder)
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Słubicer und Frankfurter Bürger beschreiben ihren Weg zur Nachbarsprache.
Die Texte erscheinen auch in der Märkischen Oderzeitung und der Gazeta Lubuska.
Kampagne „Ich lerne Polnisch, weil…“
Jacek Jeremicz, Leiter der Abteilung „Europäische Integration" bei der Stadtverwaltung Gorzów Wlkp.
In der siebten Klasse begann ich, Deutsch zu lernen, also im Alter von 13 Jahren. Der Kontakt zu den Nachbarn faszinierte mich, und trotz geschlossener Grenze wollte ich die Kultur und Geschichte Deutschlands näher kennen lernen. Durch meine Deutschkenntnisse hatte ich einen leichteren Zugang zu Informationen, mehr Möglichkeiten, diese zu erhalten.
Im Lizeum und anschließend während des Studiums in Gorzów und Szczecin habe ich weiter Deutsch gelernt. Eine Sprache zu lernen ist ein Prozess, der das ganze Leben andauert. Jeder kann eine Sprache lernen, nie ist es zu spät oder zu früh. Die Nähe zu unserem westlichen Nachbarn bedeutet, dass Deutschkenntnisse in unserer Region sehr wichtig sind. Kontakte können leichter geknüpft werden, man kann gemeinsame Initiativen ergreifen und eine Zusammenarbeit über Grenzen hinweg entwickeln. Außerdem ist Deutsch die Muttersprache vieler Menschen in Europa. Die Kenntnis dieser Sprache hat Entwicklungspotenzial, wir können die Kultur anderer Nationen besser einschätzen, sie hilft beim Reisen oder auch dabei, Freunde zu finden.
Diese Erfahrungen helfen in unterschiedlichen Lebensbereichen. Ich persönlich nutze meine Deutschkenntnisse hauptsächlich im Beruf, besonders im Zusammenhang mit der internationalen Zusammenarbeit. Im Kontakt mit den Partnerstädten und wenn gemeinsame Projekte oder Bildungsbesuche stattfinden, ist sie die Grundlage. Durch die Sprachkenntnisse kann ich mich mit den Muttersprachlern in ihrer Sprache verständigen, sie erleichtern mir den persönlichen Kontakt und den Austausch von Informationen. Die Freiheit in den gegenseitigen Beziehungen trägt wiederum dazu bei, dass verschiedene Formen der Zusammenarbeit wie auch Initiativen gefördert werden.
Danny Busse, Amtsdirektor von Brieskow-Finkenheerd
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Ich lerne Polnisch, weil die Sprache für mich als Ostbrandenburger durchaus nützlich ist. Bewusst geworden ist mir das allerdings erst recht spät. Der Gedanke, Polnisch zu lernen, kam mir erstmals bei einem Urlaub an der polnischen Ostsee. Jedes Mal beim Einkaufen fiel ich als sprachunkundiger deutscher Tourist auf - das war mir unangenehm. |
In den Semesterferien besuchte ich dann Intensivkurse am Collegium Polonicum, während des Semesters Kurse an der Europa-Universität Viadrina und der Volkshochschule. Um sich mit Polen wirklich verständigen zu können, genügt es nicht, das Schulbuchwissen zu 100 Prozent zu beherrschen.Dazu ist es am besten, wenn man die Sprache eine längere Zeit „lebt". Ich hatte das Glück, einige Monate im Landesinnern zu wohnen. Durch den Kontakt zu Muttersprachlern konnte ich die Bräuche, Sitten und Traditionen unserer Nachbarn selbst erleben und schätzen lernen. Dieses hat es mir auch ermöglicht, die eigene Kultur besser zu verstehen. Allen Lernwilligen empfehle ich daher, sich auf das Abenteuer Auslandsaufenthalt einzulassen.
Ich mag die polnische Sprache, weil sie mir präziser scheint als die deutsche und dennoch weniger hart klingt. Bisweilen erscheint sie mir weniger ernst.
Zwar hat meine Kommunikationsfähigkeit in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen, weil mir schlicht die Zeit fehlt, meinen Sprachschatz auf dem damaligen Niveau zu erhalten oder gar auszubauen. Dafür profitiere ich aber von dem dauerhaft konservierten Sprachschatz, der auch bei gelebter Partnerschaft immer wieder zum Tragen kommt. In meiner derzeitigen Tätigkeit habe ich häufig mit unseren Partnergemeinden östlich der Oder zu tun. Deren Repräsentanten wissen es durchaus zu schätzen, dass wir für unsere Treffen und Absprachen nicht immer einen Übersetzer benötigen und diese deshalb auch sehr spontan gestalten können.
Im Übrigen war es auch die Kenntnis der polnischen Sprache, die mir den Einstieg ins Berufsleben erleichterte oder mir bei Jobwechseln hilfreich war.
Jedem, der gerne in Brandenburg lebt und perspektivisch auch in seiner Heimat bleiben möchte, kann ich die Verständigungsmöglichkeit mit unseren östlichen Nachbarn dringend anraten. Kenntnisse in der Fremdsprache öffnen Türen und bauen Brücken. Es ist die Zeit absehbar, in der der Polnisch sprechende Frankfurter nicht mehr der Exot unter seinen Kollegen sein wird. Stattdessen wird diese Sprachfertigkeit in Zukunft wie selbstverständlich von ihm erwartet werden. Dazu bedarf es jedoch der Motivation und des Abbaus demotivierender Hürden. Wichtige Faktoren sehe ich auch in der Tramverbindung von Frankfurt (Oder) nach Słubice oder in der Euro-Einführung in Polen.
Regina Gebhardt-Hille, EURES-Beraterin bei der Agentur für Arbeit Frankfurt (Oder)
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Die polnische Sprache habe ich eher zufällig gelernt. Nach meinem Abitur im Jahr 1976 wollte ich unbedingt Sprachen studieren, dolmetschen und übersetzen. Meine Favoriten waren Spanisch, Französisch, Italienisch oder auch Portugiesisch – slawische Sprachen kannte ich durch den Russischunterricht aus meiner Schulzeit. |
Letztendlich hat es sich so ergeben, dass ein Dolmetscherstudium nur in der Sprachkombination Russisch/Polnisch möglich war – und so habe ich das dann durchgezogen und mich schon während des Studiums in die polnische Sprache verliebt (ehrlich gesagt, wohl eher in meinen Polnischlehrer, wie wir alle damals...).
Aber die Sprache hat mir gefallen – sie ist so melodisch, sehr weich in der Aussprache und elegant – zumindest wenn man sie so beherrschte wie pan Mallek (besagter Lehrer, der heute leider nicht mehr lebt). So wollte ich auch sprechen können.
Kurzum, ich habe die Sprache gelernt – auch während eines Auslandsaufenthaltes in Warschau, vor Ort im Studentenwohnheim, bei Vorlesungen und Seminaren in der Landessprache. Das war nicht leicht, aber eine gute Schule für uns Studenten – wir haben wirklich alle Lebensumstände im fremden Land meistern gelernt, kamen zurück und waren von Land und Leuten begeistert. Begeistert von der Kultur, der Geschichte, dem alltäglichen Leben, der gewissen Leichtigkeit, das Leben zu gestalten und es so anzunehmen, wie es ist (das war meiner Meinung nach eine dem Französischen sehr ähnliche Sichtweise).
Arbeitsbedingt habe ich dann lange nichts mit der Sprache gemacht – sie war verschüttet, aber noch in meinem Kopf.
Durch den Beitritt Polens zur EU haben sich erste Kontakte zwischen den Arbeitsverwaltungen unserer Nachbarländer entwickelt – und ich bin in dieser sehr spannenden Phase seit drei Jahren dabei, die Zusammenarbeit zu gestalten, gemeinsam mit meinen Partnern auf der anderen Seite der Oder. Es macht immer wieder Spaß, alte Kontakte zu beleben, die neuen weiter zu pflegen und weitere aufzubauen – und das alles in einer Fremdsprache, in der ich mittlerweile schon fast so „zu Hause" bin wie in meiner Muttersprache. Und es ist ein schönes Gefühl, Menschen bei der Verständigung zu helfen, mit ihnen zu kommunizieren, Ihnen mein Heimatland näher zu bringen, Barrieren abzubauen, Verständnis füreinander zu wecken und das Zusammenwachsen unserer Region in der Mitte Europas zu fördern.
Ich liebe meine Arbeit hier vor Ort, entdecke jeden Tag Neues und freue mich, wenn ich wieder einem polnischen Bürger weiterhelfen konnte – in seiner Sprache, die mittlerweile auch zu meiner geworden ist.
Nicht zuletzt wollen wir hier in der Region versuchen, Menschen und Arbeit zusammenzubringen – und daran beteilige ich mich gern mit meinen Fähigkeiten und auch mit meinen Sprachkenntnissen.
Dr.Barbara Weiser-Lada, Leiterin der Słubicer Musikschule
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In meiner Familie stand die deutsche Sprache beinahe auf der Tagesordnung: Mein Vater, Henryk Weiser, stammte aus dem schlesischen Siemianowice und sprach hervorragend Deutsch. Nach der Ankunft in Słubice im Jahre 1961 knüpfte er zu vielen Frankfurtern sowohl berufliche, künstlerische als auch private Kontakte. So waren in meinem Elternhaus häufig Gäste aus Deutschland zu Besuch. |
Täglich hörte mein Vater die Nachrichten im deutschen Radio, und auch deutsche Fernsehprogramme gehörten für uns zum Alltag. Die deutsche Sprache war mir also fast wie auf den Leib geschrieben. Jedoch muss ich mit Scham bekennen, dass ich sie noch verbessern müsste, vor allem die Grammatik. Trotzdem kommuniziere ich mit meinen deutschen Bekannten einigermaßen mühelos.
Als Leiterin der Staatlichen Musikschule Słubice stehe ich mit zahlreichen deutschen Kultureinrichtungen im Kontakt. Die Nachbarsprache zu kennen ist dabei von großem Vorteil. Frankfurt (Oder) und Słubice stellen einen besonderen Ort in Europa dar. Und ich bin sehr froh darüber, dass die Geschichte meiner Familie mir das Leben an der deutsch-polnischen Grenze erleichtert.
Bettina Horn, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder), Bereich Internationale Zusammenarbeit
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Mein Traum war es schon immer, Dolmetscher zu werden. Im Studium in Leipzig bekam ich die Möglichkeit, zu einer bereits (etwas) bekannten Sprache, der russischen, auch noch eine neue Sprache von Grund auf zu lernen. Im meinem Fall war es die polnische Sprache, die mir am Anfang sehr schwer erschien. Die vielen Zischlaute haben doch ganz schön Probleme bereitet. |
Nach dem Studium kam ich nach Frankfurt (Oder), an die polnische Grenze. Hier wurde ein Polnischdolmetscher gesucht. Während des Studiums hatte ich allerdings „nur" die Grundlagen der Sprache gelernt. Vor Ort, im Kontakt mit „echten" Polen und einer vielfältigen Thematik, musste ich feststellen, dass ich doch noch große Lücken hatte und eine Menge lernen musste.
Es macht mir Freude, mit meinen Kenntnissen dazu beizutragen, dass sich Menschen besser verstehen. Mir macht es Spaß, mich mit anderen Menschen in eine Fremdsprache zu unterhalten.
Ich habe im Laufe meines Berufslebens viele Polen und auch schon die unterschiedlichsten Situationen in der Zusammenarbeit kennengelernt. Ich habe gemeinsam mit unseren polnischen Partnern und Freunden viele Höhepunkte aber auch schwierige Situationen in der Geschichte unserer Länder erlebt. Zu vielen Polen bestehen, zum Teil schon seit vielen Jahren, freundschaftliche Kontakte. Wir treffen uns, um z.B. gemeinsam Rad zu fahren, zu feiern oder wir helfen einander auch bei Übersetzungsfragen.
Ich denke, wenn man an einer Grenze lebt, sind Kenntnisse der Sprache des Nachbarlandes unerlässlich. Zumindest sollte man über gewisse Grundkenntnisse verfügen, um sich allgemein verständigen zu können. Es ist meiner Meinung nach überheblich, vom Gesprächspartner im anderen Land zu verlangen, dass er meine Muttersprache versteht und spricht. Leider trifft man diese Einstellung noch zu häufig bei den Deutschen, die z.B. zum Einkaufen oder in die Gaststätte nach Slubice gehen. In Slubice dagegen ist es selbstverständlich, dass man auf deutsch einkauft oder sein Essen in der Gaststätte bestellt. Allerdings kann man in der letzten Zeit immer häufiger feststellen, dass auch die Frankfurter sich verstärkt bemühen, in Slubice zumindest etwas polnisch zu sprechen – auch wenn es am Anfang nur „Proszę", „Dziękuję" oder „Dzień dobry" ist.
Es gibt in Frankfurt verschiedene Angebote, seine Sprachkenntnisse zu verbessern oder die Sprache des Nachbarn zu erlernen. Leider werden sie noch nicht ausreichend genutzt. Wenn der Wunsch der Eltern vorhanden ist, werden in Zukunft auch die Schulen Polnisch als 1. Fremdsprache ab der 1. Klasse anbieten (müssen). Erste Schritte sind seit Jahren getan – es gibt die Eurokita, Schulen bieten die Möglichkeit, Polnisch zu lernen. So werden schon die Jüngsten an die Sprache des Nachbarn herangeführt. Wer bereits in jungen Jahren eine Fremdsprache lernt, hat es im späteren Leben leichter, sich im anderen Land zu bewegen.
Elisabeth Piekos, Schülerin, und ihre Mutter Stefanie Piekos
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Ich heiße Elisabeth, bin 7 Jahre alt und gehe in die zweite Klasse der Grundschule Mitte. Seit der ersten Klasse lerne ich dort Polnisch als Begegnungssprache. Das macht mir viel Spaß, weil ich neue Wörter lerne und wir Lieder auf Polnisch singen. Meine Lehrerin bringt Ihren Bär „Hansi" mit. Der sagt uns immer alles vor und das Lernen ist so viel lustiger. |
Ich lerne gern Polnisch, weil ich es schön finde verschiedene Sprachen zu können. Außerdem habe ich eine Cousine, deren Mutter Polin ist, und polnische Klassenkameraden. So kann ich die Sprache auch benutzen.
In der Schule gefällt mir, dass Polnisch ein Wahlfach ist. Ich kann mich ausprobieren und aufhören, falls ich es nicht schaffe. Gut finde ich auch, dass fast die ganze Klasse den Fremdsprachenunterricht besucht, weil wir miteinander Spaß beim Lernen haben und uns helfen können.
Anderen Kindern würde ich empfehlen Polnisch zu lernen, weil ich finde, dass es eine schöne Sprache ist und der Unterricht Spaß macht.
Ich finde es wichtig, dass es in Frankfurt (Oder) und Slubice Orte gibt, wo alle Menschen die Sprache des Anderen Lernen können. So wie zum Beispiel in meiner Schule und der Volkshochschule. Ich wünsche mir auch, dass meine Mama und mein Papa Polnisch lernen, dann könnten wir uns auch ´mal auf Polnisch unterhalten.
Ich heiße Stefanie und bin Elisabeths Mutti. Meine Tochter für das Wahlfach Polnisch anzumelden, war für mich eine Selbstverständlichkeit aus mehreren Gründen: Erstens möchte ich meinem Kind alle Möglichkeiten für das spätere Leben eröffnen, zweitens lernen Kinder in diesem Alter Sprachen viel leichter als später. Und drittens begegnen uns die Fremdsprachen in unserer Umgebung überall.
Natürlich besucht Elisabeth auch den Englischunterricht, aber Polnisch ist für Frankfurt (Oder) ebenso naheliegend. Die Menschen aus dem Nachbarland werden zu unseren Mitbürgern, sind Mitschüler und unsere Kunden.
Integration ist für mich keine Einbahnstraße. Man muss aufeinander zugehen und das fängt bei der Sprache an. Ich selbst spreche zwar nur ein paar Worte Polnisch, aber diese benutze ich regelmäßig. Vielleicht mache ich, angespornt von Elisabeth, noch einmal einen Kurs.
Sören Bollmann, Leiter des Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrums:
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Meine ersten polnischen Wörter habe ich im Alter von 18 Jahren gelernt, auf einer Studienfahrt nach Auschwitz. Damals herrschte in Polen noch der Kommunismus und die Berliner Mauer trennte Deutschland in zwei Staaten. Diese paar polnischen Wörter wie „dzień dobry”, „dziękuję”, „proszę” und „smacznego” konnte ich immer noch, als ich 1991 während eines freiwilligen sozialen Jahrs in Frankreich meine große Liebe kennenlernte: Agnieszka aus Poznań. |
Mit ihr bin ich nach der Heirat in ihre Heimat gezogen. Ich habe Polnisch im Alltag gelernt, beim Einkaufen und Nachwuchsfüttern, als Deutschlehrer an einem Gymnasium und als Einzelschüler bei Pani Lucia an der Universität. Dort habe ich vor allem die polnische Grammatik schätzen gelernt. Sie ist dem Lateinischen entlehnt und daher klar und logisch. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)
Natürlich lerne ich immer noch jeden Tag dazu. Ab und zu korrigieren mich meine Frau oder unsere Kinder. Und wenn mir mal ein Wort fehlt, frage ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrum.
Ich brauche Polnisch jeden Tag, privat und im Beruf. Im Gespräch mit Kollegen der Słubicer Stadtverwaltung, mit Schulen, Vereinen und Unternehmen. Oft gilt es, rasch von einer Sprache in die andere zu wechseln, damit auch diejenigen, die keine gemeinsame Sprache haben, trotzdem miteinander zusammenarbeiten können. Ich bin 2000 mit meiner Familie nach Frankfurt (Oder) gezogen, weil die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze liegt und habe mir ein berufliches Feld gesucht, in dem ich meine Sprachkenntnisse und meine Erfahrung in Zusammenarbeit mit anderen Menschen nutzbringend einsetzen kann.
Ich empfehle jeder Frankfurterin und jedem Frankfurter, sich mit der polnischen Sprache vertraut zu machen. Warum?
- Es ist eine tolle Sache, eine Sprache zu lernen, die nicht jeder kann und die nicht ganz einfach ist. Wer Polnisch kann, lernt andere Fremdsprachen erheblich leichter.
- In Frankfurt (Oder) haben Sie jeden Tag die Gelegenheit, die Sprache anzuwenden und Ihre Kenntnisse weiterzuentwickeln. Mit anderen Worten: Bei uns in Frankfurt muss man nicht zwingend mit einer Polin verheiratet sein, um Polnisch zu lernen!
- Polnisch ist die Sprache eines großen, dynamischen, aufstrebenden, europäischen Landes. Vielleicht sind Polnischkenntnisse in Ihrem CV genau der Punkt, der den Ausschlag gegenüber dem Mitbewerber gibt.
- Mit der Sprache lernen Sie auch viel über die Kultur und Geschichte dieses faszinierenden Nachbarlandes. Polnisch hält Geist und Seele in Bewegung und öffnet jenseits der Oder Herzen und Informationskanäle.
Als Leiter des Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrums will ich dazu beitragen, Grundlagen dafür zu schaffen, dass vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung, auf der Straße und in der Verwaltung Polnisch neben Englisch immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit wird.
Stefanie Hornung, Mitarbeiterin der Messe und Veranstaltungs GmbH
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„Ich gebe nicht auf!", sage ich mir immer wieder, wenn meine Zunge an einem polnischen Konsonantenpaket zu scheitern droht. Und unter dem Motto ‚Nicht aufgeben' stehen meine Bemühungen die polnische Sprache zu erlernen schon seit fünf Jahren. Damals, noch in Berlin, wusste ich schon, dass ich nach Frankfurt (Oder) gehen wollte, und wenn man grenznah lebt, sollte man zumindest ein paar Sätze in der Sprache der Nachbarn sprechen können. |
Also ging ich in eine Sprachschule und paukte einmal pro Woche diese ungewohnten Zisch- und Rolllaute. Was mich – neben der Vielfalt an Fällen, Regeln und Ausnahmen von ebendiesen – überraschte: Viele Wörter sind der deutschen und anderen Sprachen entlehnt, zum Beispiel der berühmte „Szlafrok" für Bademantel oder „walizka" wie „valise", französisch für Koffer.
Diese Wörter helfen einem allerdings nicht wirklich weiter, wenn man sich im polnischen Nirgendwo verfahren hat. Da stand ich in einem kleinen Dörfchen, die Karte über den Motorradlenker gelegt, und kein einziger vernünftiger Satz fiel mir ein um nach dem Weg zu fragen. Aber die polnische Gastfreundschaft ist sprichwörtlich, und so fanden sich in kürzester Zeit einige Dorfbewohner ein, die mich auf die richtige Straße brachten und mir obendrein noch Kuchen mitgaben!
Über die privaten Ausflüge ins Nachbarland hinaus bin ich als Marketingleiterin der Messe und Veranstaltungs GmbH im Kleist Forum natürlich daran interessiert, mehr polnisches Publikum für unsere Theateraufführungen, Konzerte und ganz allgemein für die deutsche Kultur zu gewinnen. Bei Theaterstücken ist es natürlich wegen der Sprachbarriere schwierig, und die komplette Übertitelung von Stücken ist nicht nur sehr aufwändig sondern auch sehr teuer – zu teuer für die meisten Theater und für uns! Aber viele Polen sprechen sehr gut deutsch, und vielleicht kommt der ein oder andere Besucher mehr, wenn er unsere Angebots-Flyer bald auch in Słubice und Umgebung ausliegen sieht. Irgendwann spielt es entlang der Oder hoffentlich nur noch eine geringe Rolle, welche Muttersprache man spricht.
Kinder lernen Sprachen sowieso spielerisch, und wer Polnisch ganz jung lernt, wird auch weniger Probleme mit manchen Zungenbrechern wie „Nie pieprz Pietrze wieprza pieprzem, bo przepieprzysz wieprza pieprzem" haben. Und wie bei jeder Sprache gilt: Nur nicht aufgeben!
Iwona Karaban, Mitarbeiterin in der Kreisverwaltung Słubice
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Mein Abenteuer mit der deutschen Sprache begann in der siebten Klasse. Ganz genau kann ich mich noch an meine erste Unterrichtsstunde erinnern, das erste Lehrbuch – mit einem blauen Elefanten auf dem Umschlag – „Anfang und Fortschritt" – und meine Aufregung... wie werde ich Deutsch sprechen und Sätze auf Deutsch verstehen. |
Während der Schulstunden habe ich jedes neue Wort penibel notiert, es zu Hause wiederholt und durch irgendwelche gedanklichen Brücken versucht zu merken. Leider war der Schulunterricht nicht sehr regelmäßig, sodass meine Eltern mir Privatunterricht geben ließen. Schnell hatte ich mir das Schulprogramm angeeignet und erweiterte mein Wissen, indem ich mich auf immer weitere Sprach-Olympiaden und Zertifikate vorbereitete.
In sehr guter Erinnerung habe ich diese Zeit, in der ich jede Buchhandlung besuchte, um das nächste Werk zum Deutschlernen zu erstehen. Die deutsche Sprache wurde Teil meines Alltags. In der Abiturklasse habe ich lange darüber nachgedacht, ein Sprachstudium aufzunehmen.
Letztendlich habe ich mich für ein Studium an der Europa-Universität Viadrina entschieden. Hier konnte ich meine Sprachkenntnisse in der Praxis nutzen und erweitern, neue Bekanntschaften schließen, die Nachbarkultur kennen lernen. Bis heute dauert meine Faszination für die deutsche Sprache an.
Im letzten Jahr habe ich außerdem ein Aufbaustudium für Übersetzer abgeschlossen. Hierdurch konnte ich auch eine andere Sicht auf den Beruf des Übersetzers und Dolmetschers gewinnen – als einen Vermittler zwischen den Nationen. Die deutsche Sprache begleitet mich täglich, immer noch lerne ich dazu – vor allem den Fachwortschatz, der mir bis dahin fremd war. Der tägliche Umgang mit der Sprache zeigt seine Wirkung, gibt Zufriedenheit und stellt gleichzeitig eine Herausforderung dar. Eine Sprache zu lernen ist ein Prozess, der viel Zeit und Selbstdisziplin erfordert. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, die Nachbarsprache zu erlernen, sollte schon heute damit beginnen. Zu spät ist es nie. Und es lohnt sich.
Dieter Krawczynski, selbständiger Berater, Natur- und Landschaftsführer
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Bereits vor etwa zehn Jahren habe ich das erste Mal begonnen, mich mit der polnischen Sprache zu beschäftigen. Mit einem Freund habe ich Kanutouren in verschiedenen Gebieten Polens unternommen und auch deutsche Reisegruppen betreut. Es war immer hilfreich, dass man sich mit den Einheimischen nicht nur mit Händen und Füssen verständigen musste. So wurde beim Einkauf in den masurischen Dorfläden jedes richtig benannte Lebensmittel mit einem freundlichen Lächeln honoriert. Gemeinsam haben wir damals einen Anfängerkurs bei der Volkshochschule besucht. |
Seit 2004 habe ich auch beruflich mit Polen zu tun, anfangs durch eine sehr intensive Zusammenarbeit mit einem polnischen Softwarehaus. Da jedoch die polnischen Kollegen sehr gute Deutschkenntnisse hatten und man sich häufig auf Englisch als kleinsten gemeinsamen Nenner einigte, haben sich meine Polnischkenntnisse nicht wesentlich verbessert.
Momentan bin ich im Bereich der Markterschließung für mehrere deutsche Softwarehäuser in Polen unterwegs. Hierfür recherchiere ich beispielsweise auf polnischen Internetseiten oder lese Produktbeschreibungen im Original. Hinzu kommt die gesamte Reiseorganisation vom Fahrkartenkauf bis zur telefonischen Hotelbestellung. Bei Gelegenheit lese ich das Reisejournal in den polnischen Zügen, sodass ich mir inzwischen einen guten Grundwortschatz erarbeiten konnte und diesen auch systematisch erweitere. Besonders hilfreich ist dabei der logische Aufbau der polnischen Sprache. Denn mit Vorsilbe, Wortstamm und Nachsilbe und durch die Lehnwörter aus dem Deutschen und dem Englischen lassen sich viele Bedeutungen erschließen. Die Grammatik erschließt sich mir leider nicht so einfach.
Ein weiteres Einsatzgebiet für die polnische Sprache ist meine Mitgliedschaft im Ökospeicherverein Wulkow. Mit dem Wiesenmuseum in Owczary haben wir in der Vergangenheit mehrere gemeinsame Projekte durchgeführt. Hierbei konnte ich häufiger die Kommunikation zwischen den Projektteilnehmern unterstützen. Das hat mich tatsächlich weitergebracht und bestätigt die Regel: Sprache lernt man nur durch Sprechen.
Tomasz Pilarski, Leiter des Słubicer Kulturhauses SMOK:
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Als jemand, der an der Grenze zwischen Polen und Deutschland aufgewachsen ist, faszinierte mich schon früh die Andersartigkeit der Kultur, der Sitten und der Sprache meiner deutschen Nachbarn auf der anderen Oderseite. Es war umso reizvoller, da diese Grenze, die unsere Länder trennte, für mich nahezu unpassierbar war. Die seltenen Besuche in Frankfurt waren jedes Mal wie ein großer Festtag, und nur die vage Erinnerung an das Ende der siebziger Jahre blieb mir im Gedächtnis als eine Zeit, in der die Grenzüberschreitung von Polen nach Deutschland praktisch unproblematisch war. |
Unbegreiflich war es mir, dass Menschen, die einige hundert Meter entfernt lebten, sich einer so vollkommen anderen Sprache bedienten. Die ersten Brocken dieser Sprache brachte mir meine Großmutter bei, die die Sprache seit dem Krieg fließend beherrschte. Das Zwangsarbeitstrauma hielt sie nicht davon ab, später mit vielen Frankfurter Einwohnern Freundschaft zu schließen, was durch ihre Saisonarbeit in der Kantine des Halbleiterwerks möglich war.
Nach der Grenzöffnung wuchs mein kindliches Interesse für die Sprache der Nachbarn zu einer wahren Leidenschaft. Eine gewisse entdeckerische Ungeduld ließ sich durch den nun unbegrenzten Kontakt mit der deutschen Sprache - dank Reisefreiheit und freiem Zugang zum Medienmarkt - zufrieden stellen. Das Schicksal wollte es, dass mit mir zusammen an der Grenze auch die Universität Viadrina heranwuchs, die mir ein Studium auf Deutsch ermöglichte - nicht nur im lexikalischen
Sinne, sondern auch auf das System bezogen, was sich für mich als eine sehr lehrreiche
Erfahrung erwies.
Jedoch hat mein Studium zu keiner merklichen Verbesserung meiner Sprachfähigkeiten geführt, außer dass ich den „Juristenjargon", der für die Mehrzahl der Einwohner der westlichen Oderseite ohnehin unverständlich war, lernte. Vielleicht lag die Ursache darin, dass sich die Studenten damals zu ethnischen Gruppen zusammenschlossen, was mich als Einwohner von Słubice von einem Großteil des Studentenlebens außerhalb der Mauern der Alma Mater ausschloss.
Der Durchbruch kam mit meiner Arbeit im Słubicer Kulturhaus und dadurch mit der Möglichkeit, mit vielen wunderbaren Kollegen aus Frankfurt zusammenzuarbeiten. Immer noch erinnere ich mich an die erste Besprechung über die 23. Internationalen Hansetage, die durch Herrn Werner Seibt geleitet wurde. Er sprach so schnell, gebrauchte einen den akademischen Erwägungen so fremden Dialekt, dass ich nach dem zweistündigen Treffen kaum ein Wort verstanden hatte. Im Jahr 2003 habe ich viel gelernt, nicht nur hinsichtlich der Sprache. Aber gerade dadurch, dass ich gleich „ins kalte Wasser" geworfen wurde, ausgerüstet mit einer bescheidenen lexikalischen Ausstattung, die ich mir in früheren Jahren angesammelt hatte, fand ich den Weg nicht nur zur Sprache, sondern auch zu der Kultur, den Sitten und dem Alltag meiner Nachbarn. Diese Erfahrung ist, so denke ich, von unschätzbarem Wert.



















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